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Astronavigation

Sternkarte – welche Navigationssterne stehen gerade am Himmel?

Die Sternkarte zeigt den Himmel für jeden Ort und Zeitpunkt – mit den Navigationssternen, Sonne, Mond und den vier Navigationsplaneten, Sternbildern und dem aktuellen Dämmerungsstatus. Ein drehbares Fadenkreuz hilft, drei gut verteilte Sterne für die Standortbestimmung zu finden.

Kiel am 22.10.2026 um 17:10 UTC in der nautischen Dämmerung – mit Fadenkreuz und den Namen der Navigationssterne; rechts unten die Angaben zum angetippten Stern Benetnasch.

Was zeigt die Sternkarte?

Die Karte ist der Blick vom Zenit (Kartenmitte) bis zum Horizont (Kartenrand) – so, als läge man an Deck und schaute geradeaus nach oben. Norden ist oben, Osten links und Westen rechts. Ein Horizontgitter mit Höhenkreisen bei 30° und 60° und Azimutlinien alle 30° hilft beim Abschätzen. Je heller ein Stern, desto größer sein Punkt; die 80 Navigationssterne des Nautischen Jahrbuchs sind farblich hervorgehoben. Die übrigen Sterne sind nur dabei, damit sich die Sternbilder erkennen lassen.

Skizze: Sternkarte mit Norden oben und Osten links, Höhenkreisen bei 30° und 60° und einem Fadenkreuz aus drei Armen im Abstand von 120° mit Ringen bei 15° und 70° Höhe; an jedem Arm liegt ein Navigationsstern 30° 60° Planet N S O W Ring 15° Ring 70°
Blick vom Zenit: Norden oben, Osten links. Das Fadenkreuz hat drei Arme im Abstand von 120° und zwei Ringe bei 15° und 70° Höhe. An jedem Arm liegt ein hervorgehobener Navigationsstern zwischen den Ringen – ideal für eine Standortbestimmung aus drei Höhen.

Wann braucht man das?

Das Fadenkreuz

Für eine gute Standortbestimmung aus drei Höhen sollten die Gestirne möglichst gleichmäßig über den Horizont verteilt sein – dann schneiden sich die Standlinien unter etwa 60° bzw. 120°. Das Fadenkreuz hat dafür drei Arme im Abstand von 120° Azimut und lässt sich mit einem Regler drehen. Die beiden Ringe markieren 15° und 70° Höhe: Darunter wird die Refraktion unsicher, darüber ist die Höhe mit dem Sextanten schwer zu messen. Liegt an jedem Arm ein Navigationsstern zwischen den Ringen, ist die Auswahl gut.

Für Ausbilder: eigene Astro-Aufgaben erstellen

Die Sternkarte ist der ideale Ausgangspunkt für neue Übungsaufgaben zur Standortbestimmung aus Sternhöhen – mit Sternen, die zu Ort und Zeit wirklich passen:

  1. Ort festlegen

    Beliebige Koordinaten wählen, etwa in der Karibik vor Martinique (14° 30' N, 061° 20' W). Das ist der wahre Schiffsort und damit die Lösung der Aufgabe.

  2. Dämmerung suchen

    Datum wählen und die Uhrzeit (UTC) verschieben, bis die Karte „Nautische Dämmerung“ anzeigt.

  3. Drei Sterne auswählen

    Das Fadenkreuz drehen, bis an jedem Arm ein hervorgehobener Navigationsstern zwischen den Ringen liegt. Jeden Stern antippen und Name, Höhe und Azimut notieren.

  4. Aufgabe formulieren

    Den Schülern einen Koppelort ein paar Seemeilen neben dem wahren Ort vorgeben und die Höhen leicht verändern – ein paar Bogenminuten, wie es die Messung mit dem Sextanten auch tut. Wer die Aufgabe ab der Sextantenablesung rechnen lassen will, rechnet die Höhen mit Augeshöhe, Indexberichtigung und Refraktion auf Hs zurück.

  5. Lösung prüfen

    Mit Ort aus 2 oder 3 Höhen die Aufgabe selbst durchrechnen: Das Fehlerdreieck sollte nahe am gewählten Ort liegen.

So entstehen in wenigen Minuten realistische Aufgaben für jedes Seegebiet – nicht nur die immer gleichen Beispiele aus dem Lehrbuch.

Wie die Karte berechnet wird

sin H = sinφ · sinδ + cosφ · cosδ · cos LHA
  1. Ephemeriden

    Für den eingestellten Zeitpunkt (UTC) werden Greenwicher Stundenwinkel und Deklination aller Sterne, der Sonne, des Mondes und der Planeten berechnet – wie in der Ephemeridenberechnung.

  2. Ortsstundenwinkel

    LHA = Grt + λ (östliche Länge positiv).

  3. Höhe und Azimut

    Höhe H aus der Formel oben, das Azimut aus derselben nautischen Grundformel. Gestirne unter dem Horizont werden nicht gezeichnet.

  4. Dämmerung

    Aus der Sonnenhöhe: über 0° Tag, bis −6° bürgerliche Dämmerung, bis −12° nautische Dämmerung, darunter Nacht.

Worauf man achten sollte

So geht es in NauticTools2

  1. Ort und Zeit wählen

    Datum, Uhrzeit (UTC), Breite und Länge eingeben oder einen gespeicherten Wegpunkt übernehmen. Ohne eigene Eingabe nimmt die Karte die aktuelle GPS-Position, falls vorhanden – sie zeigt also, was gerade jetzt über einem steht. Jede Änderung wird sofort übernommen.

  2. Anzeige einstellen

    Namen der Sternbilder und der Navigationssterne ein- oder ausblenden, das Fadenkreuz einschalten und mit dem Regler drehen.

  3. Stern antippen

    Name, Sternbild, Helligkeit, Nummer im Nautischen Jahrbuch sowie Höhe und Azimut erscheinen im Infobereich. Unter Windows zeigt die Maus zusätzlich Höhe und Azimut an jeder Stelle der Karte.

  4. Speichern und drucken

    Den Ort als Wegpunkt speichern oder die Karte als Protokoll drucken bzw. als PDF speichern.

Häufige Fragen

Warum ist Osten links?

Weil die Karte den Himmel zeigt, wie man ihn beim Blick nach oben sieht. Mit Norden oben liegt Osten dann links und Westen rechts – spiegelverkehrt zu einer Landkarte, auf die man von oben herabschaut.

Wann schießt man Sterne?

In der nautischen Dämmerung, wenn die Sonne zwischen 6° und 12° unter dem Horizont steht. Dann sind die hellen Sterne schon zu sehen und die Kimm ist noch erkennbar. Die Sternkarte zeigt diesen Status direkt an.

Wie viele Navigationssterne gibt es?

Das Nautische Jahrbuch führt 80 Sterne; sie alle sind in der Karte farblich hervorgehoben. International – etwa im englischen Nautical Almanac – werden 57 Navigationssterne plus Polaris genannt. Stellt man NauticTools2 auf Englisch oder Italienisch, hebt die Sternkarte genau diese 58 Sterne hervor, mit den Namen und Nummern des Nautical Almanac.

Verwandte Werkzeuge

NauticTools2 ist kostenlos und läuft unter Windows 10 und 11. Eine Android-Version ist in Vorbereitung.

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