NauticTools2

Astronavigation

Meridianfigur – wie hoch steht ein Gestirn bei der Kulmination?

Die Meridianfigur ist die klassische Konstruktion der Astronavigation: Zenit, Himmelspol, Himmelsäquator und Gestirn in einer Zeichnung. NauticTools2 zeichnet sie für jede Breite und Deklination, berechnet die obere und untere Kulminationshöhe und zeigt, ob ein Gestirn auf- und untergeht, zirkumpolar ist oder nie über den Horizont kommt.

Die Meridianfigur für 51° N und ein Gestirn mit 24° N Deklination in oberer Kulmination.

Was ist die Meridianfigur?

Der Kreis stellt die Ebene des Beobachtermeridians dar: oben der Zenit, unten der Nadir, waagerecht der wahre Horizont mit Nord und Süd. Der Himmelspol steht genau um die eigene Breite φ über dem Horizont, der Himmelsäquator senkrecht dazu. Ein Gestirn mit der Deklination δ liegt um δ vom Äquator entfernt – und auf seinem Tageskreis parallel zum Äquator wandert es einmal am Tag durch den Meridian: oben bei der oberen Kulmination, unten bei der unteren Kulmination.

Skizze: Meridianfigur für Breite 51° N und Deklination 24° N – Himmelsnordpol Pn 51° über dem Nordhorizont (rechts), Himmelsäquator senkrecht dazu, Gestirn in oberer Kulmination 63° über dem Südhorizont Zenit Nadir N S Pn φ 51° δ 24° h 63° Gestirn Äquator untere Kulm.
Meridianfigur für 51° N, Norden rechts wie in der App: Der Pol Pn steht 51° über dem Nordhorizont, der Äquator senkrecht dazu. Das Gestirn mit 24° N Deklination kulminiert 63° hoch im Süden; seine untere Kulmination (gestrichelter Tageskreis) liegt unter dem Horizont.

Wann braucht man das?

Formeln und Rechenweg

hob = 90° − |φ − δ| · hunt = |φ + δ| − 90°
  1. Zenitdistanz

    z = φ − δ, Nord positiv, Süd negativ. Ist z ≥ 0, kulminiert das Gestirn äquatorwärts vom Zenit (auf der Nordhalbkugel im Süden), sonst polwärts.

  2. Obere Kulmination

    h = 90° − |z|. Ist sie 0° oder kleiner, geht das Gestirn nie auf.

  3. Untere Kulmination

    h = |φ + δ| − 90°, polwärts. Ist sie 0° oder größer, ist das Gestirn zirkumpolar und geht nie unter.

  4. Höhe und Azimut zu jeder Zeit

    Für jeden Ortsstundenwinkel t: H = asin(sinφ · sinδ + cosφ · cosδ · cos t) und Az = atan2(−sin t, cosφ · tanδ − sinφ · cos t).

Beispiele, Schritt für Schritt

Beobachter auf 51° N, Gestirn mit der Deklination 24° N. Wie hoch kulminiert es?

z = 51° − 24° = 27° → äquatorwärts, also Süd
obere Kulmination h = 90° − 27° = 63° S
untere Kulmination h = 75° − 90° = −15° → unter dem Horizont
Das Gestirn geht auf und unter.

Beobachter auf 54° N, Stern mit der Deklination 60° N. Geht er unter?

z = 54° − 60° = −6° → polwärts, also Nord
obere Kulmination h = 90° − 6° = 84° N
untere Kulmination h = 114° − 90° = 24° N
Der Stern ist zirkumpolar und geht nie unter.

Worauf man achten sollte

So geht es in NauticTools2

  1. Breite und Deklination einstellen

    Mit den Reglern oder den Pfeilen daneben gradweise; nördlich und südlich des Äquators.

  2. Stundenwinkel verschieben

    Der Regler Grt führt das Gestirn einmal über den ganzen Tag (0° bis 360°): bei 0° steht es in oberer, bei 180° in unterer Kulmination. Zwei Knöpfe springen direkt dorthin.

  3. Ergebnis ablesen

    Aktuelle Höhe und Azimut, der Status „geht auf und unter“, „zirkumpolar – geht nie unter“ oder „geht nie auf“ und der Rechenweg mit beiden Kulminationshöhen.

  4. Drucken

    Eingaben, Ergebnis, Rechenweg und die Figur lassen sich als Protokoll drucken oder als PDF speichern.

Häufige Fragen

Was bedeutet Kulmination?

Der Durchgang eines Gestirns durch den Meridian des Beobachters. Bei der oberen Kulmination erreicht es seine größte Höhe, bei der unteren seine kleinste – die man nur bei zirkumpolaren Gestirnen sieht.

Wann ist ein Gestirn zirkumpolar?

Wenn auch die untere Kulmination über dem Horizont liegt: |φ + δ| ≥ 90°, mit gleichnamiger Breite und Deklination. Auf 54° N gilt das für alle Sterne mit mehr als 36° N Deklination.

Was hat die Meridianfigur mit der Mittagsbreite zu tun?

Die Mittagsbreite ist die Meridianfigur rückwärts gerechnet: Aus der gemessenen Kulminationshöhe h und der Deklination δ folgt die Breite φ = 90° − h + δ (bei Kulmination im Süden auf der Nordhalbkugel).

Verwandte Werkzeuge

NauticTools2 ist kostenlos und läuft unter Windows 10 und 11. Eine Android-Version ist in Vorbereitung.

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