Terrestrische Navigation
Radarplotting – wie dicht kommt das andere Fahrzeug heran?
Zwei Radarortungen genügen, um die entscheidenden Fragen zu beantworten: Wie dicht kommt das andere Fahrzeug heran (CPA), wann (TCPA), und welchen Kurs und welche Fahrt hat es wirklich? NauticTools2 rechnet die Konstruktion der Radarspinne exakt nach und zeigt sie als Grafik – bis zum Ausweichmanöver.
- North up / Head up
- CPA / TCPA
- Relativbewegung
- Vektordreieck
- zweites Fahrzeug
- Ausweichmanöver
Was wird beim Radarplotting bestimmt?
Auf dem Radarschirm steht das eigene Schiff immer in der Mitte. Bewegt sich ein Echo von einer Ortung zur nächsten, ist das nicht seine wahre Bewegung, sondern die Relativbewegung – die Bewegung des anderen Fahrzeugs gegenüber dem eigenen. Verlängert man die Linie durch die beiden Echos, sieht man, wie das Fahrzeug am eigenen Schiff vorbeizieht.
- CPA – dichteste Annäherung: der kleinste Abstand zur Relativlinie, also das Lot von der Mitte.
- TCPA – der Zeitpunkt, zu dem dieser Punkt erreicht wird.
- KB, vB – tatsächlicher Kurs und tatsächliche Fahrt des anderen Fahrzeugs aus dem Vektordreieck.
Wann braucht man das?
- Kollisionsverhütung bei verminderter Sicht: Nach Regel 19 KVR muss man bei Nebel feststellen, ob eine Nahbereichslage entsteht – genau das liefert der CPA.
- Kurs und Fahrt des anderen einschätzen: Fährt es auf Gegenkurs, überholt es, kreuzt es? Das Vektordreieck zeigt den wahren Kurs.
- Ausweichmanöver planen: Welcher Kurs oder welche Fahrt ergibt einen sicheren Passierabstand?
- Feste Objekte erkennen: Ergibt sich für das Echo eine wahre Fahrt von 0 kn, ist es ein festes Objekt – eine Tonne, ein Ankerlieger oder eine Insel.
Rechenweg
Ortungen eintragen
Peilung und Abstand der beiden Ortungen, bei Head up zuerst mit dem Kurs in rechtweisende Peilungen umrechnen.
Relativbewegung
Richtung und Länge von der 1. zur 2. Ortung ergeben den relativen Kurs KBr; Länge geteilt durch die Zeit die relative Fahrt vBr.
CPA und TCPA
Lot von der Mitte auf die Relativlinie ergibt den CPA. Die Strecke bis zum Lotfußpunkt geteilt durch vBr ergibt die Zeit bis zum CPA.
Vektordreieck
Den eigenen Weg im Ortungsintervall an die 1. Ortung antragen. Vom Anfang dieses Wegs zur 2. Ortung verläuft der wahre Weg von B – Richtung = KB, Länge durch Zeit = vB.
Beispiel
Sie fahren rwK 000° mit 6 kn, Radar auf North up. Um 10:00 orten Sie Fahrzeug B in rwRaP 045°, 8,0 sm. Um 10:12 steht B in 047°, 6,0 sm. Wie dicht kommt B heran, wann, und welchen Kurs und welche Fahrt hat B?
Relativ: KBr = 219°, vBr = 10,1 kn
CPA: 0,8 sm um 10:47 in rwP 129°
Tatsächlich: KB = 254°, vB = 6,6 kn
Kurslinie: B kreuzt um 10:54 1,3 sm hinter dem Heck
Mit 0,8 sm dringt B in den Nahbereich ein. Bei verminderter Sicht ist nach Regel 19 KVR rechtzeitig zu manövrieren:
Um 10:18 soll der Kurs so geändert werden, dass B mit 2 sm passiert. Welcher Kurs ist zu steuern?
Ort von B 10:18: 5,0 sm in 049°
Neuer Kurs: 070° (70° nach Steuerbord), CPA 2,0 sm um 10:40
Alternativ: bei Kurs 000° müsste die Fahrt auf 0,2 kn sinken – praktisch aufstoppen
Worauf man achten sollte
- Erste und letzte Ortung nehmen: Bei mehr als zwei Ortungen ergibt der größte Abstand dazwischen das genaueste Ergebnis.
- Kurs und Fahrt beibehalten: Die Auswertung gilt nur, solange beide Fahrzeuge Kurs und Fahrt beibehalten. Neue Ortungen bestätigen das – oder zeigen, dass der andere manövriert hat.
- Durchs Wasser oder über Grund: Mit Kurs und Fahrt durchs Wasser ergibt sich der Kurs des anderen durchs Wasser. Das ist für die Kollisionsverhütung das Richtige.
- Gezeichnet und gerechnet: NauticTools2 rechnet die Konstruktion exakt. Eine von Hand gezeichnete Lösung weicht deshalb um einige Zehntel Seemeilen, Grad oder Minuten ab – das liegt an der Zeichengenauigkeit.
So geht es in NauticTools2
Radarbild wählen
North up (rechtweisende Radarpeilung) oder Head up (Radarseitenpeilung). Die Radarspinne richtet sich danach aus – wie im Prüfungsbogen.
Eigenes Schiff
Rechtweisender Kurs und Fahrt durchs Wasser.
Ortungen
Uhrzeit, Peilung und Abstand für beide Ortungen – Uhrzeiten kurz als 1537 möglich. Ein zweites Fahrzeug C lässt sich in einem eigenen Block erfassen.
Ausweichmanöver
Optional ab einem Zeitpunkt: Kurs für einen geforderten CPA (Steuerbord nach Regel 19, bei Bedarf Backbord), Fahrt für einen geforderten CPA oder ein vorgegebenes Manöver. Alles erscheint in der Grafik in Magenta.
Rechenprotokoll zum Ausdrucken
Auch das Radarplotting lässt sich als Protokoll drucken oder als PDF speichern – mit Eingaben, der Plotting-Grafik und allen Ergebnissen von CPA und TCPA bis zu Kurs und Fahrt des anderen Fahrzeugs.
Beispielprotokoll als PDF ansehen ›
Häufige Fragen
Woran erkenne ich eine Kollisionsgefahr?
Bleibt die Peilung bei abnehmendem Abstand stehend, läuft die Relativlinie durch die Mitte – der CPA ist null. Schon ein kleiner CPA bedeutet eine Nahbereichslage.
Was bedeuten die Pfeile in der Radarspinne?
Nach DIN 13312: einfacher Pfeil = eigene Bewegung, Doppelpfeil = tatsächliche Bewegung des anderen Fahrzeugs, Pfeil im Kreis = relative Bewegung.
Kann ich zwei Fahrzeuge gleichzeitig auswerten?
Ja. Das zweite Fahrzeug C bekommt eine eigene Farbe und einen eigenen Ergebnisblock. Beim Ausweichmanöver zeigt NauticTools2 auch, welcher CPA sich für das jeweils andere Fahrzeug einstellt.
Verwandte Werkzeuge
- Peilungsbeschickung – Radarseitenpeilung in rechtweisende Peilung umrechnen
- Grenzkursberechnung – Kurssektor eines Fahrzeugs aus seinen Lichtern
- Distanz, Fahrt und Zeit – Sechs-Minuten-Regel und Fahrt aus Ortungen
NauticTools2 ist kostenlos und läuft unter Windows 10 und 11. Eine Android-Version ist in Vorbereitung.
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