NauticTools2

Terrestrische Navigation

Missweisung berechnen – wohin zeigt die Kompassnadel wirklich?

Eine Kompassnadel zeigt nicht zum geografischen Nordpol, sondern nach missweisend Nord. Der Winkel dazwischen ist die Missweisung, auch magnetische Deklination genannt. Sie hängt vom Ort ab und ändert sich mit den Jahren. NauticTools2 berechnet sie für jede Position und jedes Datum von 1900 bis 2030.

Missweisung in der Android-Version: Datum und Position eingeben, Missweisung und jährliche Änderung erscheinen sofort.

Was ist die Missweisung?

Die Erde hat zwei „Nordrichtungen“: rechtweisend Nord zeigt zum geografischen Nordpol, auf den sich Seekarte und Längengrade beziehen. Missweisend Nord ist die Richtung, in die eine ungestörte Kompassnadel zeigt – sie richtet sich nach den Feldlinien des Erdmagnetfelds.

Der Winkel zwischen beiden ist die Missweisung (Mw). Zeigt die Nadel östlich von rechtweisend Nord, ist die Missweisung Ost und wird positiv gerechnet, zeigt sie westlich davon, ist sie West und negativ.

Skizze: rechtweisend Nord und missweisend Nord mit der Missweisung als Winkel dazwischen rechtweisend Nord (rwN) missweisend Nord (mwN) Mw Mw Ost: Nadel zeigt rechts von rwN → positiv rwK = mwK + Mw mwK = rwK − Mw
Missweisung Ost: Die Kompassnadel zeigt etwas rechts von rechtweisend Nord. Der Winkel ist zur Verdeutlichung übertrieben gezeichnet.

Wann braucht man das?

Berechnung und Kartenangabe

NauticTools2 berechnet die Missweisung mit dem IGRF (International Geomagnetic Reference Field), dem offiziellen Referenzmodell des Erdmagnetfelds. Es wird von der internationalen Fachorganisation IAGA alle fünf Jahre neu herausgegeben und beschreibt das Feld als Kugelfunktionsreihe – eine Handrechnung gibt es dafür nicht. Das Modell in der App deckt die Jahre 1900 bis 2030 ab.

Ohne Rechner wird die Missweisung aus der Seekarte fortgeschrieben. Dort steht ein Wert mit Jahr und jährlicher Änderung:

Mw aktuell = Mw Karte + jährliche Änderung · Jahre
  1. Kartenangabe ablesen

    Missweisung, Bezugsjahr und jährliche Änderung aus der Kompassrose der Seekarte.

  2. Jahre zählen

    Anzahl der Jahre vom Bezugsjahr bis heute.

  3. Fortschreiben

    Jährliche Änderung mal Jahre zur Kartenangabe addieren – Vorzeichen beachten: Ost positiv, West negativ.

Beispiel

Wie groß ist die Missweisung auf Helgoland (54°11′ N, 007°53′ O) am 1. Juni 2026?

Missweisung = +3,7° (3,7° Ost)
Jährliche Änderung = +0,2° pro Jahr (rund 10′ nach Ost)

Eine alte Seekarte gibt für Helgoland an: Mw 1,6° W (1990), jährliche Änderung 6′ E. Was ergibt die Fortschreibung für 2026 – und was sagt das Modell?

Fortschreibung = −1,6° + 36 · 6′ = −1,6° + 3,6° = +2,0°
IGRF für 2026 = +3,7°
Unterschied ≈ 1,7°

Das zweite Beispiel zeigt, warum alte Kartenangaben mit Vorsicht zu genießen sind: Die jährliche Änderung ist selbst nicht konstant. Bei Helgoland hat sie sich seit 1990 von 6′ auf rund 10′ pro Jahr beschleunigt.

Worauf man achten sollte

So geht es in NauticTools2

  1. Datum wählen

    Vorbelegt ist das heutige Datum. Für alte Aufgaben einfach das Jahr der Aufgabe eintragen.

  2. Position eingeben

    Breite und Länge von Hand, aus einem gespeicherten Wegpunkt oder – wenn vorhanden – aus der GPS-Position. Eine eingegebene Position lässt sich direkt als Wegpunkt speichern.

  3. Berechnen

    NauticTools2 zeigt die Missweisung und ihre jährliche Änderung.

  4. Als Referenzwert übernehmen

    Mit „Übernehmen“ wird der Wert zur Vorgabe für alle anderen Werkzeuge, etwa Kursbeschickung und Peilungsbeschickung.

Häufige Fragen

Ist Missweisung dasselbe wie Deklination oder Variation?

Ja. „Magnetische Deklination“ ist der Begriff aus der Geophysik, im Englischen sagt man in der Navigation meist „variation“. Gemeint ist immer derselbe Winkel. Nicht verwechseln mit der Deklination eines Gestirns in der Astronavigation.

Wie genau ist die Berechnung?

Für offene Seegebiete liegt das IGRF meist innerhalb eines halben Grades am tatsächlichen Wert – das ist etwa so genau, wie sich ein Bootskompass ablesen lässt.

Warum ändert sich die Missweisung?

Das Erdmagnetfeld entsteht durch Strömungen im flüssigen Erdkern und verändert sich ständig. Der magnetische Nordpol wandert dabei um Dutzende Kilometer pro Jahr.

Verwandte Werkzeuge

NauticTools2 ist kostenlos und läuft unter Windows 10 und 11. Eine Android-Version ist in Vorbereitung.

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