Terrestrische Navigation
Zeitarten an Bord – von UTC bis zur wahren Ortszeit
An Bord laufen mehrere Uhren nebeneinander: UTC für Funk, Wetter und Astronavigation, die Bordzeit für den Wachplan, die gesetzliche Zeit des nächsten Hafens. Dazu kommen die Zeiten, die sich aus der eigenen Länge ergeben. NauticTools2 berechnet alle aus einem einzigen UTC-Zeitpunkt und der Länge.
- UTC
- Zonenzeit
- Länge in Zeit
- Mittlere Ortszeit
- Wahre Ortszeit
- Zeitgleichung
Welche Zeitarten gibt es?
- UTC (Koordinierte Weltzeit) – die gemeinsame Bezugszeit, früher GMT genannt. Nautisches Jahrbuch, Funkverkehr und Wetterberichte rechnen in UTC.
- Zonenzeit – die Erde ist in 24 Zonen von je 15° Länge eingeteilt, mit jeweils einer Stunde Unterschied. Die Zonenzeit ist die Standardzeit der Zone, in der man sich gerade befindet.
- Gesetzliche Zeit – die Zeit, die ein Land offiziell festlegt, einschließlich Sommerzeit. Sie ist eine politische Entscheidung und lässt sich nicht aus der Position ableiten.
- Bordzeit – die Zeit, nach der an Bord gelebt wird. Der Schiffsführer legt sie fest und stellt sie auf langen Reisen schrittweise um.
- Länge in Zeit – die geografische Länge in Stunden und Minuten ausgedrückt.
- Mittlere Ortszeit (MOZ) – die Zeit des eigenen Meridians, bezogen auf eine gleichmäßig laufende, gedachte „mittlere Sonne“.
- Wahre Ortszeit (WOZ) – die Zeit, die eine Sonnenuhr am eigenen Ort anzeigt. Um 12 Uhr WOZ steht die Sonne genau im Süden (bzw. im Norden).
- Zeitgleichung – der Unterschied zwischen wahrer und mittlerer Ortszeit.
Wann braucht man das?
- Astronavigation: Gestirnsörter im Nautischen Jahrbuch sind nach UTC tabelliert. Wer die Uhrzeit einer Beobachtung in Bordzeit notiert, muss sie zuerst in UTC umrechnen.
- Mittagsbreite planen: Die Sonne kulminiert um 12 Uhr wahrer Ortszeit. Über Zeitgleichung und Länge in Zeit ergibt sich, wann das in UTC und Bordzeit ist.
- Lange Überfahrten: Beim Segeln nach Westen oder Osten wandert man durch die Zonen. Die Bordzeit wird dann stundenweise umgestellt, meist nachts, damit sich Tageslicht und Wachplan nicht verschieben.
- Funk, Wetter und Hafen: Wetterberichte und Navigationswarnungen kommen in UTC, Hafenbüro und Schleuse richten sich nach der gesetzlichen Zeit.
Formeln und Rechenweg
Länge Ost wird positiv, Länge West negativ gerechnet. Die einzelnen Schritte, wie sie auch der Rechenweg in NauticTools2 zeigt:
Zonennummer
Länge durch 15°, auf die nächste ganze Zahl gerundet: Zone = λ / 15°
Zonenzeit
ZZ = UTC + Zonennummer (in Stunden)
Länge in Zeit
15° entsprechen einer Stunde, also 1° = 4 min und 1′ = 4 s.
Mittlere Ortszeit
MOZ = UTC + λ in Zeit
Zeitgleichung
Unterschied zwischen wahrer und mittlerer Sonne, als Zeit ausgedrückt. NauticTools2 berechnet sie für den genauen Zeitpunkt aus der Sonnenposition.
Wahre Ortszeit
WOZ = MOZ + Zeitgleichung
Gesetzliche Zeit und Bordzeit
UTC + eingegebener Versatz, zum Beispiel +2 h für die mitteleuropäische Sommerzeit.
Beispiel, Schritt für Schritt
Ein Schiff steht am 10.09.2026 um 14:32 UTC auf 023°15,0′ W. Die gesetzliche Zeit am Zielhafen ist UTC+2, an Bord wird UTC−1 gefahren. Welche Zeiten gelten gerade?
Zonennummer = −23,25° / 15° = −1,55 → Zone −2
Zonenzeit = 14:32 − 2 h = 12:32
Länge in Zeit = 23° · 4 min + 15′ · 4 s = 92 min + 60 s = −1 h 33 min
Mittlere Ortszeit = 14:32 − 1:33 = 12:59:00
Zeitgleichung ≈ +3,1 min (am 10. September)
Wahre Ortszeit = 12:59:00 + 3 min 03 s = 13:02:03
Gesetzliche Zeit = 14:32 + 2 h = 16:32
Bordzeit = 14:32 − 1 h = 13:32
Worauf man achten sollte
- Vorzeichen: Östlich von Greenwich ist die Ortszeit später als UTC, westlich früher. Ein Merksatz: Steht man im Osten, hat man die Sonne früher gesehen – die Uhr ist schon weiter.
- Datum: Bei großen Längen oder kurz vor bzw. nach Mitternacht wechselt mit der Uhrzeit auch das Datum. NauticTools2 zeigt deshalb zu jeder Zeit das Datum mit an.
- Zeitgleichung mit Vorzeichen: Manche Lehrbücher definieren die Zeitgleichung umgekehrt (mittlere minus wahre Zeit). Hier gilt: wahre Ortszeit = mittlere Ortszeit + Zeitgleichung.
- Gesetzliche Zeit nicht schätzen: Viele Länder weichen von „ihrer“ Zone ab, etwa Spanien oder Frankreich, und die Sommerzeit kommt dazu. Den Versatz deshalb nachschlagen und eintragen.
So geht es in NauticTools2
UTC eingeben
Datum und Uhrzeit in UTC. Kurzschreibweisen wie 100926 für das Datum oder 1432 für die Uhrzeit werden automatisch ergänzt.
Länge eingeben
Grad, Minuten und Ost/West. Liegt eine GPS-Position vor, ist die Länge schon vorbelegt.
Versätze eintragen (optional)
Gesetzliche Zeit und Bordzeit als Versatz zu UTC, zum Beispiel +2:00 oder -1:30. Bleiben die Felder leer, rechnet NauticTools2 nur die Zeiten aus der Länge.
Berechnen
Alle Zeitarten erscheinen untereinander, darunter der Rechenweg. Eingaben lassen sich speichern, laden und als Rechenprotokoll drucken.
Häufige Fragen
Wie rechnet man die Länge in Zeit um?
15° Länge entsprechen einer Stunde. Also 1° = 4 Minuten und 1′ = 4 Sekunden. 023°15′ W sind 92 Minuten plus 60 Sekunden, also 1 h 33 min.
Was ist der Unterschied zwischen Zonenzeit und gesetzlicher Zeit?
Die Zonenzeit folgt allein aus der Länge. Die gesetzliche Zeit bestimmt jedes Land selbst, oft abweichend von der Zone und mit Sommerzeit. Auf See gilt die Zonenzeit, im Hafen die gesetzliche Zeit.
Warum geht die Sonnenuhr anders als die Ortszeit?
Die Erde läuft auf einer elliptischen Bahn, und ihre Achse ist geneigt. Dadurch wandert die wahre Sonne ungleichmäßig über den Himmel. Die Zeitgleichung gleicht das aus. Im Februar geht die Sonnenuhr rund 14 Minuten nach, Anfang November rund 16 Minuten vor.
Verwandte Werkzeuge
- T Sonne – wann die Sonne den Meridian passiert
- Ephemeridenberechnung – Gestirnsörter für einen UTC-Zeitpunkt
- Mittagsbreite – Breite aus der Kulminationshöhe der Sonne
NauticTools2 ist kostenlos und läuft unter Windows 10 und 11. Eine Android-Version ist in Vorbereitung.
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