Terrestrische Navigation
Relingslog – die Fahrt messen ohne Logge
Die Logge ist ausgefallen oder zeigt offensichtlich Unsinn? Mit einem Schwimmkörper, der bekannten Bootslänge und einer Stoppuhr lässt sich die Fahrt durchs Wasser trotzdem bestimmen – so, wie es Seeleute seit Jahrhunderten machen.
- Länge in m
- Zeit in s
- Meridiantertien
- Fahrt in kn
Wie funktioniert das Relingslog?
Ein Gegenstand, der im Wasser treibt, bleibt gegenüber dem Wasser praktisch an Ort und Stelle. Das Boot fährt an ihm vorbei. Lässt man ihn am Bug zu Wasser und stoppt die Zeit, bis er das Heck erreicht hat, weiß man, wie lange das Boot für seine eigene Länge gebraucht hat – und daraus folgt die Fahrt durchs Wasser.
Wann braucht man das?
- Logge ausgefallen: Bewuchs auf dem Loggeber, ein verklemmtes Schaufelrad oder ein Elektrikproblem – ohne Fahrt durchs Wasser fehlt eine wichtige Größe fürs Koppeln.
- Logge überprüfen: Zeigt die Logge zu viel oder zu wenig? Ein paar Messungen mit dem Relingslog geben einen unabhängigen Vergleich.
- Kleine Boote ohne Logge: Auf Jollen und Beibooten gibt es oft gar keine Logge.
Formel und Rechenweg
- L – gemessene Strecke in Metern, meist die Bootslänge oder eine markierte Strecke an der Reling
- t – gestoppte Zeit in Sekunden
Meridiantertien
Strecke in Meridiantertien umrechnen: L / 0,5144 m
Fahrt
Meridiantertien durch die Zeit teilen: Fahrt = Meridiantertien / t
Was ist eine Meridiantertie? Die Strecke, die ein Schiff mit 1 kn in einer Sekunde zurücklegt: der 3600. Teil einer Seemeile, 1852 m / 3600 = 0,5144 m. Wer die Strecke in Meridiantertien misst, bekommt die Fahrt in Knoten direkt als „Meridiantertien pro Sekunde“. Faustformel: Fahrt ≈ 2 · L / t – rund 3 % zu hoch, für den Überschlag aber genau genug.
Beispiel, Schritt für Schritt
Ein Schwimmkörper braucht 5,2 Sekunden, um an der 12 m langen Bordwand entlang achteraus zu treiben. Wie schnell fährt das Boot?
Meridiantertien = 12 m / 0,5144 m = 23,3
Fahrt = 23,3 / 5,2 s ≈ 4,49 kn
Faustformel = 2 · 12 / 5,2 ≈ 4,6 kn
Worauf man achten sollte
- Fahrt durchs Wasser: Das Relingslog misst die Fahrt gegenüber dem Wasser, nicht über Grund. Strom wird nicht erfasst.
- Lange Strecke, mehrere Messungen: Bei kurzen Booten und hoher Fahrt dauert eine Messung nur wenige Sekunden – eine Zehntelsekunde Reaktionszeit macht dann schon mehrere Prozent aus. Besser zwei Personen an Bug und Heck und den Mittelwert aus mehreren Messungen nehmen.
- Nichts über Bord werfen, was nicht ins Meer gehört: Ein Stück Holz oder ein Schwimmkörper an einer dünnen Leine, die man wieder einholt, ist ideal.
- Windanfällige Gegenstände meiden: Ein leichter Gegenstand, der auf dem Wasser vom Wind geschoben wird, verfälscht das Ergebnis. Er sollte möglichst tief im Wasser liegen.
So geht es in NauticTools2
Länge eingeben
Die gemessene Strecke in Metern.
Zeit eingeben
Die gestoppte Zeit in Sekunden, gern mit Nachkommastelle.
Berechnen
NauticTools2 zeigt die Fahrt in Knoten und die Meridiantertien als Zwischenschritt. Messungen lassen sich speichern und drucken.
Häufige Fragen
Woher kommt der Begriff Knoten?
Früher maß man die Fahrt mit dem Logscheit: einem Brettchen an einer Leine mit Knoten in regelmäßigen Abständen. Gezählt wurde, wie viele Knoten in einer festen Zeit über das Heck liefen – daher die Einheit Knoten.
Wie genau ist das Relingslog?
Mit sauberer Messung und mehreren Durchgängen auf etwa 5 bis 10 Prozent – für das Koppeln und zur Kontrolle der Logge reicht das.
Was, wenn ich keine Stoppuhr habe?
Jedes Handy hat eine. Zur Not geht auch Zählen („einundzwanzig, zweiundzwanzig …“), allerdings deutlich ungenauer.
Verwandte Werkzeuge
- Distanz, Fahrt und Zeit – mit der gemessenen Fahrt Distanz und Ankunftszeit berechnen
- Stromberechnung – von der Fahrt durchs Wasser zur Fahrt über Grund
NauticTools2 ist kostenlos und läuft unter Windows 10 und 11. Eine Android-Version ist in Vorbereitung.
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